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 Mit unserem Landi in die Maasai Mara!

Es ist 6.00 Uhr morgens und wir tasten in unserem Zelt nach den Stirnlampen, da es noch zu dunkel ist, um etwas zu erkennen. Wir haben eine letzte erholsame Nacht am Lake Naivasha verbracht und sind nun bereit für die Fahrt in die Masai Mara. Um spätestens 7.00 Uhr sollten Rücksäcke und Zelt in unserem alten Landrover, Baujahr 1973, verstaut sein, außerdem jede Menge Wasserflaschen, etwas Obst und natürlich die unentbehrliche Landkarte. Wir wollen die 300km in die Mara möglichst rasch hinter uns bringen und dieses Mal auf Abstecher und Besichtigungen verzichten, damit wir vielleicht noch am selben Tag unsere erste Safari in Kenias berühmtesten Tierreservat starten können.

 

Noch wissen wir nicht, welch abenteuerliche Reise mit einigen, nicht einkalkulierten Erlebnissen, uns erwartet. Wir fahren auf der "Hauptroute" nach Süden Richtung Kijale, dem Kreuzungspunkt in das westlich gelegene Narok. Dort wollen wir unseren Landi nochmals volltanken und uns einen Lebensmittelvorrat von einer Woche zulegen, denn wir haben nicht vor in einem Luxuscamp zu speisen, sondern lieber in den bequemen Campingsesseln vor unserem Zelt.
Gegen 11.30 Uhr erreichen wir Narok. Narok ist der letzte größere Ort vor der Masai Mara, zu dessen Bezirk diese gehört. Wenn man sich vorstellt, dass wir für diese ersten 150 km 4 Stunden gebraucht haben, kann man den Zustand der Straßen erahnen.

Attraktion, für Tier und Tourist!

Das Positive war: Die Straßen asphaltiert, das Negative aber: Es waren durchwegs Löcher im Asphalt, die bis zu 1,5 m lang sein können, somit entwickelt sich die Fahrt zu einer Art Slalom, wobei die Straße teils steil berauf und dann wieder ebenso steil bergab geht. So gut es eben geht, versuchten wir, den Löchern auszuweichen, da sie oft tief und scharfkantig sind und schnell mal einen Platten oder gar eine gebrochene Achse verursachen können. Bei diesen Ausweichmanövern mussten wir allerdings auch noch auf den Gegenverkehr achten und der war überraschend stark. Wie bei einer Pilgerfahrt kommen uns Overlander (meist busartig umgebaute Lastwagen ),Kleinbusse und Jeeps entgegen oder überholen uns. Sie sind voll mit Touristen, die, oft an einem Tag, von Nairobi in die Mara und retour gekarrt werden. Ich habe noch keine Vorstellung von den Dimensionen des Reservates und erwarte daher, dass wir mit dieser Menge an Leuten gemeinsam Löwen such und Cheetahs beobachten werden. Doch bald schon werden meine Eindrücke ins rechte Licht gerückt und die Weite der Maasai Mara deutlich.

 

Nach einem kurzen Mittagessen in Narok fahren wir weiter Richtung Gates. Immer wieder müssen wir anhalten, da die Maasai ihre Kuhherden über die Straße oder auf der Straße dahin treiben - kein Wunder, dass die einzige Zufahrtsmöglichkeit in die Mara in solch schlechtem Zustand ist. Es wird zunehmend heißer und die Landschaft um uns herum wird trockener und staubiger. Wir bekommen Probleme mit unserem alten Gefährt, da der Kühler leckt und so der Motor ständig überhitzt. Immer wieder müssen wir Pausen einlegen, Wasser nachfüllen und warten, bis unser alter Herr wieder abgekühlt ist. Inzwischen ist es 14.00 Uhr, wir sind schon etwas müde von der langen Fahrt und der Hitze und können es nicht erwarten, in die Mara zu kommen.

 

Gepardin versteckt sich vor Maasai Moran

Wir möchten das Reservat durch den nördlichen Eingang, das Musiara Gate, befahren, da Indi lange im Norden eine Lodge geleitet hat und das Gebiet dort dementsprechend gut kennt. Rückblickend betrachtet möchte ich bemerken, dass man den Norden der Mara kennen MUSS, um diese am wenigsten besuchte Gegend befahren zu können. Es existiert keine Karte, weil es auch abschnittsweise gar keine Straßen gibt, man fährt instinktiv in die ungefähre Richtung, bis man wieder auf einer Art Fahrbahn ist, die man mit viel Optimismus und Phantasie manchmal als "Straße" bezeichnen kann. Natürlich meine ich damit keine asphaltierten Straßen, sondern Sandpisten, mit denen wir schon bald Bekanntschaft machen. Anfangs stoßen wir in dieser grenzenlosen Landschaft zumindest noch auf ein paar verwitterte Wegweiser mit Namen von Camps oder Lodges. Aber nach einer Stunde dauerhaften Auf- und Ab- Rüttelns und - Schaukelns sind auch die so plötzlich verschwunden wie die Maasai mit ihren Kühen. Wir schienen etwas verloren und auch Indi hat nur noch eine ungefähre Ahnung von der Richtung, die uns an das ersehnte Ziel bringen soll.

 

Zu meiner großen Erleichterung kommt uns ein klappriger Wagen mit vier Maasai entgegen. Wir fragen nach dem Musiara Gate, stellen jedoch rasch fest, dass keiner der Befragten auch nur den leisesten Schimmer hat, da ein jeder völlig überzeugend und selbstsicher in eine andere Richtung deutet.

Meine Anspannung steigt mit zunehmender Stunde, der Wagen überhitzt in immer kürzeren Abständen und auch die Benzinnadel nähert sich unbeeindruckt der Null. Kurz überlegen wir, ob es vernünftiger wäre, zurück zu fahren, doch Indi ist zuversichtlich, dass er, auch nach 10 Jahren, noch den Weg zum Gate finden würde.

Mit scharfem Blick!

Je weiter wir uns nach Westen bewegen desto schlechter wird die Fahrspur. Wie wir später erfahren, hat es eine Woche zuvor starke Regenfälle gegeben und der Staub ist dadurch zu Schlamm geworden. Die ausgefahrenen Rillen und Löcher stehen unter Wasser, was die Fortbewegung nicht unbedingt erleichtert. So rutschen wir wie bei einer Schlittenfahrt die Piste entlang.

Gegen 17.30 Uhr sind wir beide nun doch schon ziemlich angespannt. Wir wissen nicht ob der Wagen diese Strapazen noch lange durchhält und in 1,5 Stunden ist es stockdunkel. Meine Nervosität steigert sich in Verzweiflung, als die gesamte Fahrbahn vor uns in einer Mulde völlig unter Wasser steht. Wie ein kleiner See, von dem wir weder wissen, wie tief er ist, noch, ob vielleicht größere Steine darin sind und Schäden am Wagen verursachen könnten. Dennoch haben wir keine andere Alternative. Endlich kann Indi unseren 4 Rad Antrieb nutzen und so schleust er uns mit seinen guten Fahrkünsten durchs Wasser. Der Wagen spuckt zwar anschließen etwas, aber wir sind durch und er fährt noch.
Gegen 18.30 Uhr kommt Indi die Gegend bekannt vor und er kann sich in dieser endlosen Ebene faszinierenderweise zurecht finden. Es dämmert schon, trotzdem kann ich die Schönheit dieser unendlichen Weite erkennen.

Wir beschließen, einen Campingplatz am Mara Fluß zu suchen und erst am nächsten Morgen den Eingang in das Reservat zu erkunden. Auf unserer Karte ist ein Zeltplatz beschrieben und mit der untergehenden Sonne tasten wir uns langsam den holprigen, stark ausgeschwemmten Weg entlang. Es ist schon stockdunkel, als ein paar Maasai Hütten auftauchen und ein alter, halb verrotteter Wegweiser zum Campingplatz weist. Im Schritttempo und nur mit der spärlichen Beleuchtung unser alten Scheinwerfer folgen wir der Beschilderung einen Hügel hinab und durch kniehohes Gras hindurch. Eine Herde Impala Gazellen laufen an uns vorbei. Manchmal scheppern wir über große Steine die die Fahrspur anzeigen sollen, in der stockfinsteren Nacht aber nicht erkennbar sind. Endlich kommen wir ans Ufer des Mara Flusses, rund um uns nichts, außer Gras und einigen Büschen und Bäumen. Unsicher, ob dies tatsächlich der Zeltplatz ist, resignieren wir einfach und beginnen unser Zelt aufzubauen. Glücklicherweise sind wir schon so routiniert, dass wir uns auch im Dunkels gut zurecht finden.

Hungrig, aber erleichtert, es geschafft, und einen Platz zum schlafen zu haben, sitzen wir gegen 21.30 Uhr bei unserem Haferflockenbrei, als wie aus dem Nichts zwei junge Maasai auftauchen. Sie erklären uns das sie die Besitzer des Platzes seien und verlangen einen Wucherpreis dafür, dass wir ihren Grund und Boden benutzen, dann aber können wir uns einigen.. Gemütlich liegen wir nach einem langen, abenteuerlichen Tag in unserem Zelt und werden nur vom Trompeten der Elefanten in unserer herrlich einsamen Ruhe begleitet.

 

Autorin

Nadine Kendler

2001

 

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